Das sind die Stars des Realityhimmels 2020

Die wichtigsten Infos für Euren perfekten Reality-Fernsehabend!

Reality-Fans aufgepasst! Hier findet Ihr das ultimative Ranking der drei besten, aufregendsten und schrägsten deutschen Reality-Shows, um euch sicher durch diesen trüben Winter zu bringen.

Was für ein Jahr für deutsches Reality-TV! Von Übergriffen, bis hin zu Mobbing und Intrigen, die Reality-Stars haben keine Gelegenheit ausgelassen, um die Zuschauer zu überraschen.

Reality-Fans aufgepasst! Das Ranking der Reality-Shows – Der Cast von „Kampf der Realitystars – Schiffbruch am Traumstrand“ Foto: RTL II
Der Cast von „Kampf der Realitystars – Schiffbruch am Traumstrand“ v.l.n.r.: Sandy Fähse, Kate Merlan, Hubert Fella, Annemarie Eilfeld, Andrea Fürstin von Sayn-Wittgenstein, Oliver Sanne, Yana und Tayisiya Morderger, Jürgen Milski, Momo Chahine -Foto: RTL II

Das Ranking der Reality-Shows: Auf Platz 3. „Kampf der Realitystars – Schiffbruch am Traumstrand“

Das Format ist neu, die Gesichter alt. Reality Stammgast Willi Herren (45), „20-Jahre Fernsehen“ Urgestein Jürgen Milski (57) und Reality-Queen Georgina Fleur (30) sind unter anderem dabei. Insgesamt haben in dem rtl2 Format, 22 „Promis“ vier Wochen auf Thailand, um den Sieg gekämpft. Die Idee: In jeder Folge gibt es zwei „Neuankömmlinge“, diese dürfen dann bei der „Stunde der Wahrheit“ zwei andere Kandidaten, die vorher schon da waren, nominieren und damit aus der Sendung werfen.

Die Kandidat*innen haben aber auch die Macht, sich davor zu schützen, indem sie bei Challenges gegeneinander antreten und sich Nominierungsschutz oder Luxusgüter erspielen. Bei einer verlorenen Challenge können die Kandidat*innen auch bestraft werden. So gibt es einige Folgen, bei denen die Promis auf dem Boden schlafen müssen oder der Kleiderschrank verschlossen bleibt.

Das interessante – oder auch erschreckende –an dem Format, die Kandidaten sind sich für nichts zu schade! Für 50.000 Euro ordnen sich die Promis täglich in einer Beliebtheitsskala ein, um zu sehen was Deutschland von den Realitystars hält. Es fließen viele Tränen, es wird viel rumgezickt und Geschrienen, bis letztendlich eine kleine Truppe von Stars übrigbleibt, die um den Sieg kämpft.

Besondere Momente der ersten Staffel „Kampf der Realitystars – Schiffbruch am Traumstrand“:

  • Der Abbruch eines Spiels ausgelöst durch Jürgen Milski, ein Getränk schlürfen und sich gegenseitig in den Mund spucken, um eine Tasse voll zu machen, war selbst dem erfahrensten Fernsehstar zu viel. Zitat Milski: „Das könnt ihr mit irgendwelchen …löchern machen, aber nicht mit uns!“
  • Das Spiel, in dem die Realitystars ihre Gagen für die Sendung erraten mussten. Leider gab es keine genauen Zahlen. So viel aber ist sicher: Für Georgina Fleurs Auftritt müssen die Sender blechen!
  • Und zu guter Letzt das Spiel, bei dem sich die Realitysternchen alle maßlos überfressen mussten, um beim anschließenden Wiegen genug Gewicht zugenommen zu haben für Immunität. Die Ausstrahlung dieser Bilder der Realitystars grenzt schon fast an einem Verstoß der Persönlichkeitsrechte.
Reality-Fans aufgepasst! Wer sich den Trailer zum Reality-Format anschauen möchte, kann hierauf klicken. © RTL II

Ein starker Platz drei also für ein chaotisches und frisches Format am Realityhimmel.

Reality-Fans aufgepasst! Das Ranking der Reality-Shows – Der Cast von „Promis unter Palmen – Für Geld mache ich alles!“ Foto: Richard Hübner/SAT.1 /dpa
Der Cast von „Promis unter Palmen – Für Geld mache ich alles!“ v.l.n.r.: Janine Pink, Ennesto Monté, Tobias Wegener, Désirée Nick, Bastian Yotta, Carina Spack, Ronald Schill, Eva Benetatou, Matthias Mangiapane, Claudia Obert – Foto: Richard Hübner/SAT.1 /dpa

Das Ranking der Reality-Shows: Auf Platz 2. „Promis unter Palmen – Für Geld mache ich alles!“

Auch „Promis unter Palmen“ ist mit einem neuen Format an den Start gegangen. Das Ganze ist eingeschlagen wie eine goldene Kokosnuss; diese und 100.000 Euro gibt’s übrigens zu gewinnen.

Und wieder werden die „Promis“ nach Thailand geschickt. Der Ort an dem Realitystars versuchen, ihre Karriere zu retten oder über Bord zu werfen.

Das Konzept der Sat.1 Show ist im Prinzip dasselbe wie: 10 Realitystars leben in einer Villa zusammen. In sechs Episoden bestreiten sie wieder Challenges, um sich Nominierungsschutz zu sichern und wählen gemeinsam jede Folge einen Promi aus der Villa. Am Ende kämpfen fünf Promis um den Sieg und – natürlich – das Preisgeld.

Der Cast war zum Polarisieren verurteilt – die spitzeste Zunge Deutschlands Désirée Nick (64), die Frau die aus 90% Champagner besteht Claudia Obert (59) und Pseudomotivationscoach Bastian Yotta (44) sind nur einige, die in Thailand für Show und Geld alles machen.

Warum ist diese Sendung besonders? Nicht etwa deswegen, weil euch das Sommerfeeling hier überrollen wird, sondern die Fassungslosigkeit!

Im Laufe der Staffel wurde Luxuslady Claudia Obert hart angegangen. Die Kandidaten verschwören sich gegen sie – Désirée Nick und Realitykomplize Matthias Mangiapane (37) lassen keine Gelegenheit aus, sie als „Brunnenvergifterin“ zu bezeichnen, ihren offenen Koffer die Treppen runterzuschmeißen oder auch handgreiflich zu werden. Und der Grund? „La Nick“ (Désirées Spitzname) und Claudia Obert haben in der Vergangenheit einen Eklat gehabt, dabei ging es um Luxusklamotten… und Matthias findet sie einfach so unmöglich.

Die ersten Folgen polarisieren und schockieren so stark, dass sich insgesamt knapp drei Millionen Zuschauer pro Folge, in die Odyssee einschalten. Sensationalismus-TV pur! Claudia verlässt die Sendung letztendlich freiwillig und überlässt den anderen das Spielfeld, um weiterhin für Geld alles zu machen. Und das i-Tüpfelchen? Am Ende gibt es einen Skandal rund um Bastian Yotta. Alte Aufnahmen seines „Lifecoachings“ gelangen an die Öffentlichkeit, in denen er sich frauenfeindlich äußert. Er wird dann nicht mehr in der Wiedersehensshow zu sehen sein.

Reality-Fans aufgepasst! Hier könnt ihr euch den Trailer zu „Promis unter Palmen“ anschauen. © SAT.1

Was könnte jetzt also noch kommen? Besser – oder schlimmer – kann es eigentlich nicht mehr werden. Da habt ihr die Rechnung nicht mit dem Realityjahr 2020 gemacht.

Reality-Fans aufgepasst! Das Ranking der Reality-Shows – Der Cast von „Das Sommerhaus der Stars – Kampf der Promipaare“ © Stefan Gregorowius/TVNOW/RTL-Mediengruppe & MG RTL D
Der Cast von „Das Sommerhaus der Stars – Kampf der Promipaare“ v.l.n.r.: Diana Herold und ihr Ehemann Michael Tomaschautzki, Georgina Fleur und ihr (Ex-)Verlobter Kubilay Özdemir, Lisha und ihr Ehemann Lou, Andrej Mangold und seine Freundin Jennifer Lange, Caro Robens und ihr Ehemann Andreas Robens, Denise Kappés und ihr Freund Henning Merten, Annemarie Eilfeld und ihr Freund Tim Sandt, Martin Bolze und seine Ehefrau Michaela Scherer – Foto: © Stefan Gregorowius/TVNOW/RTL-Mediengruppe & MG RTL D
Reality-Fans aufgepasst! Dieses Realityformat wird euer kaltes Winterherz erwärmen – Nicht!

Das Ranking der Reality-Shows: Platz 1. „Das Sommerhaus der Stars – Kampf der Promipaare“

Die Sendung ist ein alter Hase im deutschen Realityfernsehen. Seit 2016 gibt es das Format, in dem prominente Pärchen gemeinsam mit anderen in einem Haus auf engstem Raum leben. Wieder entscheiden (Team-)Spiele, um Immunität zu erlangen und bringen die Paare näher ans Ziel, gemeinsam das 100.000 Euro Preisgeld zu gewinnen.

2020 lief die fünfte Staffel des Formats auf RTL und zeigte die knapp 4 Wochen Hemmungslosigkeit der Realitypärchen.

Seit der ersten Folge war klar, selbst wer Reality-TV verabscheut konnte nicht wegschauen. Beim Einzug in der ersten Folge auf einem Bauernhof in Bocholt-Barlo flogen die Fetzen. Reality-Stammgast Georgina Fleur (30) und ihr (Ex-)Verlobter Kubilay Özdemir (41) haben keine Zeit verschwendet. Durch ihr exzessives Verhalten bringen sie gleich in der ersten Folge alle Paare im Haus an die Grenzen. Ex-Bachelor Andrej Mangold (33) wird dabei zum Opfer einer Spuck-Attacke. Richtig gelesen! Der Ex-Verlobte von Georgina Fleur gerät in eine hitzige Diskussion mit Andrej Mangold und spuckt ihm kurzerhand ins Gesicht.

Dieser Eklat bleibt nicht unbestraft, denn sofort müssen Georgina und Kubilay das Haus verlassen. Doch wer jetzt denkt, dass die Harmonie wiederhergestellt sei, hat die Rechnung nicht mit Reality-TV gemacht.

Nach dem Rauswurf von Georgina sorgen die Nachzügler für heftige Diskussionen.

Reality-Fans aufgepasst! Das Ranking der Reality-Shows – Eva Benetatou und ihr Verlobter Chris Broy - Foto: © Stefan Gregorowius/TVNOW/RTL-Mediengruppe & MG RTL D
Eva Benetatou und ihr Verlobter Chris Broy – Foto: © Stefan Gregorowius/TVNOW/RTL-Mediengruppe & MG RTL D

Eva Benetatou (28) zieht mit ihrem Verlobten Chris Broy (31) ins Haus ein. Besonders brisant: Eva war Bachelor-Finalistin in der Staffel von Andrej, dieser hat sich aber im Finale für seine jetzige Freundin Jennifer Lange (26) entschieden.

Die drauffolgenden Episoden werden eine Mischung aus „Slutshaming“ und Mobbing, denn die restlichen Paare schließen sich Andrej Mangold und seiner Freundin an und lassen keine Gelegenheit aus, um Eva Benetatou anzugreifen. Besonders die Youtuberin Lisha (33) fährt gegen sie aus und schreit sie für mehrere Episoden nur noch an.

Wer sich den Trailer der fünften Sommerhaus Staffel ansehen möchte kann das hier tun:

https://www.rtl.de/videos/so-krass-wird-die-neue-sommerhaus-staffel-5f50c694ef16ea33ae510e44.html

Reality-Fans aufgepasst! Wieso lohnt es sich diese Sendung trotzdem zu gucken? SPOILER!!!

Am Ende gewinnen zwar nicht die „Guten“, aber Eva Benetatou schafft es, sich zu wehren. In dem Format gibt es ein Spiel, das traditionell in jeder Staffel gespielt wird: „Das Glas ist voll.“ In diesem Spiel sitzen die Realitydamen gemeinsam am Tisch und entscheiden, welches Weinglas langsam aufgefüllt werden soll. Wie immer wird danach entschieden, wer „am nervigsten“ oder welche liebe „nicht echt“ ist. Als das Spiel vorbei ist, hat Eva mehr oder weniger „gewonnen.“ Ihr Glas ist voll und überraschend hat sie nicht nur Immunität erlangt, sondern darf auch entscheiden, wer das Haus verlässt. Kurzerhand müssen der Ex-Bachelor und seine Freundin die Koffer packen.

Für Zuschauer ein Augenschmaus, denn endlich ist der Provokateur weg. Im Nachhinein gab es trotzdem große Auseinandersetzungen, aber die Mobbing-Tiraden nahmen langsam ein Ende.

Fazit: Selbst wenn ihr keine Reality-TV Fans seid, bei dieser Ablenkung werdet ihr den kalten Winter garantiert überstehen!

Hier findet Ihr noch mehr Tipps, um gegen den Winterblues anzukämpfen: http://erzaehlwerk.de/beitraege

„Hamilton“ – die Revolution auf Disney+

Musical ist nicht gleich Musical. „Hamilton“ – das Stück über die Amerikanische Unabhängigkeit – revolutioniert die Theaterwelt und Disney+.

Amerikanische Geschichte als Hip-Hop-Musical begeistert Massen weltweit

Nicht aufgeben und das Beste draus machen. Das könnte zum einen ein guter Vorsatz fürs neue Jahr sein, zum anderen ist es aber auch ein wiederkehrendes Element im Musical „Hamilton“.
Bevor nun jemand sich die Frage stellt, warum in aller Welt man ein Musical über Lewis Hamilton macht und wie man Formel 1 Rennen auf der Bühne umsetzt, gleich eines vorweg: es geht um einen anderen Hamilton – und zwar Alexander Hamilton. In Deutschland weitestgehend unbekannt und doch eine wichtige Persönlichkeit.

Hörprobe „My shot“ aus Hamilton – Broadway Castrecording | © Stage Entertainment

„I am not throwing away my shot!“

Alexander Hamilton war einer der Gründerväter der USA und ihr erster Finanzminister. Bis heute fußt das Finanzsystem der Staaten auf seinen Entwürfen.
Finanzen und Geschichte – wie kann das nur spannend sein?
Zum einen sind es die Charaktere mit all ihren Abgründen und Träumen, die Liebe und vor allem die Musik. Hamilton ist da so ganz anders, als typische Musicals wie „Das Phantom der Oper“ oder „Der König der Löwen“. Die Aussage „ich mag keine Musicals“ gilt also nicht: Denn Musical ist nicht gleich Musical! Niemand würde sagen „ich mag keine Filme“ und so ist diese Musiktheater-Gattung ein Genre mit unendlich vielen Genres. Egal ob Klassik, Rock oder Pop, ob Drama, Comedy oder Thriller – alles findet sich auch in Musicals.

Die Geschichte rund um die Gründung der Staaten wird also nicht langatmig wie eine Geschichtsstunde mit hundert Arien in die Länge gezogen, sondern besticht durch Moderne und Tempo: Rap, Hip Hop und RnB.

This is a story of America then told by America now.

Lin-Manuel Miranda

Die Musik fällt aus dem Raster „Musical“, aber auch die Premierenbesetzung am Broadway (und darüber hinaus) ist untypisch: der Großteil der Darsteller:innen sind People of Colour. Im 18. Jahrhundert waren die Entscheidungsträger und wichtigen Personen alle weiß – auch Alexander Hamilton selbst – und trotzdem passt es, denn die Titelfigur war selbst ein Einwanderer. Geboren auf Nevis in der Karibik kam er nach einem Hurrikan, der seine Heimat verwüstet hatte, nach New York – finanziert von Spenden aus seiner Heimat. Gemeinsam mit anderen Männern schließt er sich der Kontinentalarmee an, um gegen Großbritannien zu kämpfen und die Unabhängigkeit von der britischen Krone zu besiegeln.

„The world turned upside down!“

Das Werk aus der Feder von Lin-Manuel Miranda erhielt seit der Uraufführung im Februar 2015 verschiedenste Auszeichnungen. Darunter sechs Drama-Desk-Awards, den Pulitzer-Preis und elf Tony Awards, und das obwohl Miranda es ursprünglich nicht einmal als Musical geplant hatte. Vielmehr sollte es ein HipHop-Album werden. Einen Song – inzwischen die Eröffnungsnummer des Musicals – präsentierte er im Rahmen eines Auftritts 2009 im Weißen Haus.

Im Juli 2015 zog die New Yorker Produktion dann wenige Monate nach der Uraufführung an den Broadway, die Musicaladresse Amerikas. Karten bekam man seitdem kaum und der Erfolg verbreitete sich über die weltweite Musicallandschaft.

Um allen Fans die Möglichkeit zu bieten, die originale Broadway Besetzung sehen zu können, wurde Hamilton am New Yorker Broadway 2016 aufgezeichnet. Geplant war, den Film in diesem Jahr in ausgewählten Kinos auf der ganzen Welt zu zeigen. Durch das global grassierende Corona-Virus und die dadurch folgenden Theaterschließungen entschloss man sich jedoch, die Filmversion auf Disney+ zu zeigen. Seit dem 3. Juli ist das Musical nun dort zu sehen und definitiv einen Filmabend wert.

„Why do you write like you´re running out of time?“

160 Minuten Amerikanische Geschichte, Gefühle und mitreißende Musik erwarten die Disney+-Zuschauer:innen. Das Richtige für dunkle Winterabende auf dem Sofa, denn neben Unterhaltung kann man auch noch etwas dazu lernen.
Der Film wurde aus mehreren Aufführungen des Stückes im Richard Rogers Theatre New York zusammengeschnitten. Somit ist er nur im Original auf Englisch streambar. Bei schnellen Raps ist es also gar nicht so leicht, beim ersten Sehen mitzukommen. Worum geht es also?

Im Zentrum der Handlung steht Alexander Hamilton (Lin-Manuel Miranda), der 1776 in New York ankommt. Gemeinsam mit seinen neu gewonnenen Freunden schließt er sich der Revolution an und kämpft unter der Führung von George Washington gegen die Briten. Dieser verweigert es auch, Hamilton das Kommando über eine Truppe zu geben und setzt ihn vor allem für die Korrespondenz ein – nicht zuletzt, um Hamilton zu schützen, immerhin erwartet Hamiltons Frau ihr erstes gemeinsames Kind.
Als armer Immigrant schaffte es Alexander mit der Heirat von Eliza Schuyler, deren Vater ebenfalls ein engagierter Militant und später Senator war, sozial aufzusteigen.

„You let me make a difference, a place where even orphan immigrants can leave their fingerprints and rise up“

Nach der Kapitulation der Briten bei Yorktown 1781 widmet sich Hamilton seiner Karriere als Anwalt und dem Schreiben. Mit 51 von 85 Essays ist er der Hauptautor der Federalist Papers. Diese Artikel hatten das Ziel, die neue Verfassung gegenüber den Bürgern zu verteidigen.
Im Kabinett von George Washington wird Hamilton Finanzminister und sorgt mit seinen Plänen für Diskussion und Kontroversen. Ein großer Streitpunkt war zum Beispiel die Gründung einer nationalen Bank.
Durch seine Affäre mit Maria Reynolds und das von ihm verfasste und 1797 veröffentlichte Reynolds Pamphlet steht er für den ersten Sex-Skandal in der US-Amerikanischen Geschichte.
Hamilton schrieb unzählige Texte, die auch im Musical nicht fehlen dürfen.
So legt er sich auch mit Aaron Burr an, der Hamilton unter anderem für seine Wahlniederlage in der Präsidentschaftswahl von 1800 verantwortlich macht.
Im Juli 1804 kommt es dann zu einem Duell zwischen beiden Gründervätern, bei dem Hamilton tödlich verwundet wird.

„Who lives, who dies, who tells your story“

Wer erzählt unsere Geschichte? Wer sorgt dafür, dass wir nicht vergessen werden? Diese Fragen werden auch in der finalen Nummer von „Hamilton“ gestellt. Die vom gesamten Ensemble gesungene Antwort darauf lautet: Eliza.
Die Ehefrau von Alexander Hamilton überlebte den Gründervater um 50 Jahre und war ihrerseits sehr aktiv, so gründete sie beispielsweise das erste private Waisenheim in New York City (heute: Graham Windham) und festigte die Erinnerung an ihren früh verstorbenen Ehemann.

Die Geschichte von Alexander Hamilton wurde bereits lange vor dem Broadway Erfolg für Theater und Film aufbereitet, so existiert beispielsweise auch eine Verfilmung von 1931. Jahre später (2004) veröffentlichte der Journalist Ron Chernow eine Biografie des Gründervaters, die Miranda zum Schreiben des Musicals inspirierte.
Trotz jahrelanger und intensiver Recherche Mirandas ist das Musical keine korrekte Biografie.

„Your debts are paid ‚cause you don’t pay for labor“

Ein Broadway-Stück braucht eine gewisse Dramaturgie und somit kleine Abänderungen und Kürzungen der realen Geschehnisse.
Anlässlich der Black-Lives-Matter Proteste im Sommer 2020 musste sich auch „Hamilton“ der Kritik stellen. So wurden Vorwürfe laut, Lin-Manuel Miranda – selbst Kind puerto-ricanischer Einwanderer – hätte den Aspekt der Sklaverei unter den Tisch fallen lassen und die Geschichte beschönigt.
Und es stimmt: Die Sklaverei wird im Bühnenstück zwar immer wieder erörtert, dass viele der Gründerväter jedoch selbst Sklaven besaßen, wird jedoch nicht angesprochen. Miranda reagierte via Twitter auf die Kritik und schrieb, dass diese durchaus berechtigt sei, er aber nicht jeden historischen Aspekt einbauen hätte können. Dennoch habe er sein Bestes getan.

Trotz der dramaturgischen Änderungen gibt das Musical einen guten Überblick über die Entstehungsgeschichte der USA, gespickt mit Geschichten von Liebe, menschlichem Versagen, starken Frauen und etwas Comedy. Der Britische Monarch King George III. sorgt mit Melodien im Beatles-Stil für den ein oder anderen Lacher.

„And when I meet Thomas Jefferson I´ma compel him to include women in the sequel!“

Ganz im Sinne von Hamiltons schriftlichen Werken ist das Musical ein wortgewaltiges Stück, das nicht nur für Amerikaner:innen interessant ist.
In diesem Jahr soll nun die Premiere in Deutschland folgen, die Vorbereitungen für die deutschsprachige Uraufführung im Stage Operettenhaus Hamburg laufen bereits seit Längerem. Ob dieses Projekt gelingen oder scheitern wird, darüber streiten sich Fans und Kunstschaffende jedoch. Ein Stück mit Rap-Passagen und im Schnitt 144 Wörtern pro Minute (im „Phantom der Oper“ sind es dagegen nur 68) muss erst einmal passend übersetzt werden.

You know, it´s funny, they were all very like „you know, we don´t know American history. I don´t know, how it will play.“ And I was like „WE don´t know American history! You´ll be fine!“

Lin-Manuel Miranda über die Londoner „Hamilton“-Produktion in „The Late Show with Stephen Colbert“ (2018)

Und auch die Frage, ob Amerikanische Geschichte in Deutschland funktioniert, ist noch offen. Zur Produktion am Londoner West End sagte Komponist, Autor und Hamilton-Darsteller Miranda, dass Amerika seine eigene Geschichte selbst nicht kenne, es also in Großbritanien sicher ebenso funktionieren könne. Hamilton war bis zur Musical-Premiere eine fast vergessene Persönlichkeit, denn auch wenn er auf dem 10-Dollar Schein abgebildet ist, konnten selbst die meisten Amerikaner:innen nichts mit diesem Namen anfangen. In London lief das Stück bis zur coronabedingten Schließung jedenfalls erfolgreich.
Ob auch der typisch deutsche Musicalkritiker dem neuartigen Stück gewillt sein wird?

Das Stage Operettenhaus Hamburg wird Deutschlands Heimat von "Hamilton"
Das Stage Operettenhaus in Hamburg – hier soll im Herbst 2021 die Deutschlandpremiere von „Hamilton“ über die Bühne gehen | © Stage Entertainment

„I want to build something, that´s gonna outlive me“

Etwas schaffen, an das man sich auch noch viele Jahre nach dem eigenen Tod erinnern wird – diesen Wunsch äußert Hamilton im Musical und es scheint ihm gelungen zu sein, nicht zuletzt durch Mirandas musikalisches Meisterwerk. Der Erfolg führte dazu, dass Kinder und Jugendliche sich wieder mehr für Geschichte und Demokratie interessieren, so gibt es mittlerweile auch das Hamilton Education Programm „EduHam“. Und auch vor der Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr haben sich die Darsteller:innen stark dafür eingesetzt, Amerikaner:innen zum wählen zu motivieren. Blickt man auf die Wahlbeteiligung könnte das durchaus funktioniert haben.

„Hamilton – An American Musical“ ist jetzt auf Disney+ verfügbar, einen ersten Eindruck gibt es hier:

Besetzung

Alexander Hamilton – Lin-Manuel Miranda
Aaron Burr – Leslie Odom Jr.
Elizabeth Schuyler Hamilton – Phillipa Soo
Angelica Schuyler Church – Renée Elise Goldsberry
Thomas Jefferson / Marquis de Lafayette – Daveed Diggs
King George III – Jonathan Groff
George Washington – Christopher Jackson
John Laurens / Philip Hamilton – Anthony Ramos
Maria Reynolds / Peggy Schuyler – Jasmine Cephas Jones
James Madison / Hercules Mulligan – Okieriete Onaodowan
u.v.m.

Weitere Infos zu Cast und Crew gibt es hier.

Alle News rund um „Hamilton“ gibt es auf den offiziellen Kanälen des Musicals auf Instragram, Twitter und Facebook.
„Welcher Hamilton-Charakter bist du?“ – Wer das herausfinden möchte, kann sich durch das „Buzz-Feed„-Quiz klicken.

Du hast schon quadratische Augen von den ganzen Online-Meetings und willst lieber selbst aktiv werden? Dann findest du auf unseren DIY-Seiten Ideen zum Ausprobieren!

Gaming für Anfänger

Killerspiele und Mobile-Games à la Candy Crush haben einige Sachen gemeinsam: Sie werden von Gamern genutzt, haben einen schlechten Ruf und schlagen sehr effektiv die Zeit tot.

„Sie spielen aber nicht solche Killerspiele, oder?“ Als ich mit meinem Journalismusstudium anfing und stolz verkündete, dass ich als Videospieljournalistin arbeiten will, konnten sich so einige meiner Dozenten diese Frage nicht verkneifen. Große Augen, ein offener Mund und Entsetzen triefte aus den Gesichtern mancher Professoren. Wie kann jemand Journalist für Killerspiele werden?

Mein Antwort fiel immer recht ähnlich aus: „Doch. Schon.“ Zugegebenermaßen kein augenöffnendes Plädoyer, aber dafür eine Antwort, die viele Gesichter entgeleisen lässt.

Für viele etwas zu klar: Wer Killerspiele spielt, hat zumindest ein Aggressionsproblem, wenn nicht gar schon die geladenen Waffen im Schrank.

Wem kann ich noch vertrauen?

Man möchte meinen, Videospiele seien in der Gesellschaft angekommen oder zumindest akzeptiert. Jährlich winkt der Verband der deutschen Games-Branche „game“ dafür, dass sich das Durchschnitts-Gamer-Alter auf über 40 Jahre beläuft und weit über die Hälfte der Deutschen zockt. Natürlich ist die Realität nicht ganz so einfach, wie manche Studien es uns glauben machen. Denn was laut game als Videospiel gilt, wird in der breiten Öffentlichkeit so kaum wahrgenommen.

Solitär und Minesweeper auf dem Laptop und Candycrush am Handy – Habt ihr schon mal eine virtuelle Runde Schach gespielt oder Kühe gemolken? Herzlichen Glückwunsch, dann seid ihr offizielle ein Gamer. Zwar keiner, der Killerspiele spielt, aber zumindest treibt ihr die Statistiken hoch und gereicht einer Branche zum Vorteil, die ihren Standpunkt deutlich machen will: Videospiele sind überall und werden von jedem gespielt. Dass man euch nicht mit Killerspiel-Werbung targetet, liegt übrigens an eurer Persona, also dem Werbeprofil, dem man euch in der Branche zuordnet.

Deine persönliche Marketing-Nische

Gamer zu sein, heißt zugeschnittene Werbung zu bekommen.

Neben Super-Gamern und Konsolenspielern existiert nämlich auch der Daily Dabbler: Frauen, die in der Regel 45 plus sind, ausschließlich am Handy spielen, aber leider kein Geld ausgeben. Wer diesen Typen nicht kennt, hat aber bestimmt schon vom Incidental Player gehört. Leute, die ausschließlich Gelgenheitsspiele am Handy spielen, weil es ihnen eine Möglichkeit gibt, ihr Smartphone auf eine zusätzliche Art zu nutzen. Das Spielen ist immer an äußere Faktoren gebunden, wie z. B. dem Warten auf den Bus

Dass besonders die letzte Gruppe sich selbst niemals als Gamer bezeichnen würde, beschreibt einen Trend in der Entertainment Industrie, den es so noch nie gegeben hat. Jemand, der regelmäßig Filme schaut, würde nie von sich behaupten, mit Filmen nichts zu tun zu haben. Das Verständnis, wann ich ein Videospiel in der Hand halte ist aber ein völlig anderes und die Idee ein „Gamer“ zu sein, schreckt viele Leute ab.

Dabei haben Videospiele Vorzüge, die sonst kein Medium beinhaltet. Selbst über große Entfernungen können Leute miteinander etwas tun und gleichzeitig kommunizieren. So stellen Videospiele einen Grund dar, in Kontakt zu bleiben und bieten gleichzeitig jederzeit Gesprächsstoff, der über das Erzählen des Alltags hinausgeht.

Entartete Spiele

Aber Videospiele fördern doch die Gewalt und Aggression der Spieler, möchte manch einer nun einwerfen. Und tatsächlich: Spiele können aggressiver machen, wenn sie gewalttätige Inhalte haben. Allerdings ist dies wie so oft nur die halbe Wahrheit: Videospiele beeinflussen nachgewiesenermaßen das Verhalten einer Person, über die Spielzeit hinaus. Allerdings nur kurzzeitig und nicht über Stunden oder gar Jahre hinweg, wie manch ein „objektiver“ Fernsehbeitrag das proklamiert. Und zudem können Spieler in alle Richtungen beeinflusst werden: Spiele, die Empathie fordern, lassen dieSpieler auch nach dem Spiel empathischer handeln. So sind sie eher bereit zu spenden oder anderen Menschen zu helfen. Kurzzeitig, denn auch dieser Effekt verklingt. Wie genau sich Spiele da von Filmen oder Büchern unterscheiden, bleibt bisher leider unerforscht.

Aber was heißt das für uns? Vielleicht, dass wir aktiv ein Spiel spielen können, dass unsere Laune hebt und uns Empathie lehrt? Oder vielleicht, dass ein Killerspiel zu spielen, keine Amokläufer aus uns macht.